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Elfriede Klomfar

Elfriede Klomfar

SELBST & STÄNDIG. Von Harald Schume

Das „Wiener Journal“ hört sich regelmäßig bei außergewöhnlichen Menschen um, die den Sprung in die Selbständigkeit gewagt haben. Heute: Elfriede Klomfar, die erste Frau in Österreich, die Farbe in die Badezimmer brachte.

„Bei uns war in den Siebzigern ja nur Beige und Moosgrün das höchste der Gefühle“,

sagt die Wienerin, bei der man immer noch perfekt abgestimmte Sanitärartikel bestellen kann – vom Waschtisch über die Toilette bis zur WC-Bürste hat alles ein G’sicht.

Eine Legende hat mehr als nur drei Leben

„Hmmm – und wie könnte man Sie nun bezeichnen im ,Wiener Journal‘, Frau Klomfar? Fachfrau für …“ – „Ich bin keine Fachfrau für irgendwas. Ich bin eine Legende am Sanitärsektor“, sagt die 72-Jährige, die sich und vor allem ihrem ersten Mann Helmut einen Namen gemacht hat. Dabei hätte ihr erstes Leben eine andere Wendung nehmen sollen.

Elfriede Klomfar wollte Tänzerin werden und hatte auch das Zeug dazu. Die Mutter verwehrte dem Mädchen diesen „Brotleiderberuf“, also ging es in die Handelsschule, durchlief in einem Eisengroßhandel die Lehre und arbeitete als Sekretärin, als sie 1966 Helmut Klomfar kennen lernte, der in der Gredlerstraße eine kleine Handelsvertretung betrieb.

Drei Jahre später wurde geheiratet. „Ich habe einen kleinen Schauraum gemacht. Aber mit seinen Gasherden hat das keinen Spaß gemacht. Also habe ich mich auf die Suche nach schöneren Artikeln begeben.“ In den Niederlanden wurde sie schließlich bei der Firma Sphinx fündig – Keramikwaschtische in den tollsten Farben. „Bei uns war damals ja nur Beige und Moosgrün das höchste der Gefühle.“

Mit einem Trick konnte ein Installateur nach dem anderen von der Pracht überzeugt werden: Elfriede Klomfar schickte ihre Mutter los mit dem Auftrag, nach bunten Waschtischen zu fragen. Wenig später erfolgte der Anruf der Tochter – „ich hätte da was für Sie!“

Nachdem sie die Generalvertretung in Österreich für Sphinx-Produkte in der Tasche gehabt hatten, kauften die Klomfars ein Haus im 20. Bezirk.

„Ich habe passende Fliesen, Armaturen, Wandhaken, WC-Bürsten, Teppiche gesucht zu den Waschtischen. Auf drei Stockwerken hatten wir eine Dauerausstellung.“

Das kleine Unternehmen florierte. Elfriede Klomfar besuchte Schulungen, Rhetorik- und Verkaufsseminare, hatte plötzlich zehn Mitarbeiter, darunter einen Architekten, der mit ihr die schönsten Bäder kreierte.

1984 war eine schwere Krankheit überwunden, und die Klomfars gingen getrennte Wege. Während es Helmut drei Jahre nach der Scheidung in die Naglergasse zog, begann für Elfriede ihr zweites Leben, wie sie sagt.

Als Handelsvertreterin für Burg-Badmöbel und Linea-Peter-Ausstattung klapperte sie die Installateure ab und fragte nach, bei welchem Großhändler sie denn einkauften. Sie stellte auch im Ausland auf Messen aus, fuhr 80.000 Kilometer im Jahr mit dem Auto.

„Es ist unheimlich schwer, Luxus zu verkaufen. Es muss alles perfekt sein.“

Während man früher beim Hersteller mindestens fünf Stück pro Modell und Farbe bestellen musste, konnte sie die Werke auch zur Herstellung von Unikaten überzeugen.

„Man kann heute alles bekommen, ob vergoldet, versilbert, lila, und die Toilette ist natürlich perfekt dazu passend.“

Gleich geblieben ist nur die Lieferzeit, die beträgt etwa sechs Wochen.

„Farbe und Harmonie machen unser Leben aus“, sagt Elfriede Klomfar. „Über Schönheit lässt sich streiten, aber über das Gefühl des Wohlbefindens nicht. Sanitärräume sind die privatesten. Sie machen glücklicher als Flatscreens.“

Freilich war der Name überall Türöffner, „jeder Installateur hat mich gekannt“, aber „ich wollte meinem Ex-Mann nie Konkurrenz machen“.

Erst 1999 beschloss die Dame, aus dem Hintergrund zu treten und ihren Namen wieder öffentlich zu machen. In der Heinestraße 32 eröffnete sie unter „Bad und Leben“ einen 200 Quadratmeter großen Schauraum, der „schön und toll war“ und bestens funktionierte – bis die U2 genau vor der Haustür gebaut wurde. Sechs Jahre lang.

Dann verstarb auch noch ihr zweiter Ehemann, und das dritte Leben begann.

Ich musste zusperren und ins Lager in die Aloisgasse übersiedeln“, dorthin, wo sie auch heute noch auf Zuruf die Kunden, ob Installateur oder Privatperson, im Collagen-Shop empfängt.

Für einen Schauraum ist dort kein Platz, zu begutachten sind Einzelstück neben Einzelstück.

„Das Spezielle in Farbe und Form, das, was man sonst nirgendwo bekommt, kann ich immer noch anbieten.“

180 Waschtische mit außergewöhnlichen Armaturen stehen zur Auswahl, besonders ist, dass man auch die gewünschte Höhe bestellen kann.

„Ich bin ein Fan davon, die Produkte anzugreifen. Im Gegensatz zum Internet wird dadurch positive Energie übertragen.“

Wie lange sich die lebende Legende noch ihre Begeisterung erhalten wird?

„Ich will mit 72 nicht mehr die Welt erobern und groß arbeiten. Aber so lange es mir Spaß macht, werde ich weitertun.“

Wer weiß, was das vierte Leben bringt.